Die Trailer waren cool, das Konzept ist knackig, die Besetzung top. Wer Suicide Squad hört, der erwartet einen Superheldenfilm, der eben mal nicht nur ein Superheldenfilm ist, da die Protagonisten alle eiskalte Killer sind. Amanda Waller will ein spezielles Team zusammenstellen, das im Dienste der USA die besonders dreckigen Fälle lösen soll. Oder anders gesagt: Wenn ein Metawesen richtig Stunk macht, dann soll die Suicide Squad für Ruhe sorgen. Dafür werden die Schurken Deadshot, Harley Quinn, Killer Croc, Slipknot, Diablo und Captain Boomerang rekrutiert, die man alle damit auf Linie bringt, dass man ihnen eine Bombe implantiert, die hochgeht, wenn Befehle missachtet werden. Die erste Bewährungsprobe steht schon bald an, als nichts weniger als das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht.Man merkt Suicide Squad die chaotische Produktionsweise und die Kämpfe hinter den Kulissen an. Die hat Regisseur David Ayer weitestgehend verloren. Dies ist der Film, den das Studio wollte. Ein paar Knochen hat man Ayer jedoch zugeworfen, der komplette Anfang entspricht aber nicht dem Wunsch des Regisseurs. Zwar durften seine Szenen, mit denen er die Mitglieder der Suicide Squad einführt, im fertigen Film bleiben, aber: Schon in den ersten 15 Minuten davor werden die einzelnen Mitglieder in Vignettenform vorgestellt, was zu einer erzählerischen Zerfaserung im ersten Akt führt.Zudem ist das nun doppelt vorhanden und sorgt schon gleich am Anfang zu einer Art von Stillstand, die kurioserweise dadurch kontrastiert wird, dass unglaublich schnell und chaotisch geschnitten ist. Suicide Squad ist darum auch ein anstrengender Film.DC hat hier mit demselben Problem zu kämpfen, das auch die Marvel-Filme plagt: Die Schurken sind schwach. Hier ist es die von Cara Delevingne gespielte Enchantress, eine Hexe aus einer anderen Dimension, die alte Zustände wiederherstellen und dabei die Menschheit auslöschen will. Das Finale fühlt sich dabei fast so an, als sei man versehentlich in einen Ghostbusters-Film gestolpert.Einiges funktioniert jedoch. Will Smith ist als Deadshot das Zentrum der Geschichte. Margot Robbie als Harley Quinn ist herrlich überzogen. Jay Courtney strahlt als Captain Boomerang mit fettem Aussie-Slang Coolness aus allerdings nur in ein paar Szenen, denn mehr als ein Stichwortgeber ist seine Figur nicht. Weiterhin ist der Feuerteufel Diablo interessant, weil er auch eine persönliche Geschichte hat. Das geht den anderen Figuren weitestgehend ab. Joel Kinnaman ist als Anführer Rick Flag farblos, Viola Davis als Amanda Waller schlichtweg unsympathisch und Jared Leto als Joker einfach verschwendet. Er hat kaum etwas zu tun. In den wenigen Minuten, in denen er dabei ist, ist er wiederum völlig überzogen, ein ständig lachender Irrer, dem jedwede Subtilität, aber auch echte Bedrohlichkeit abgeht. Dies ist kein Vergleich zu Heath Ledger, der der Figur in The Dark Knight reichhaltige Facetten abgewinnen konnte. Für Fans gibt es wenigstens einen kurzen Moment mit Joker und Harley, der an das in Comic-Kreisen berühmte Gemälde von Alex Ross angelehnt ist. Auch andere kleine Gags für Fans finden sich zuhauf.Aber es gibt leider auch einiges, das nicht richtig hinhaut. Problematisch ist das Team an sich, das innerhalb etwa eines Tages nicht nur freundschaftliche Bande zueinander knüpft, sondern sich sogar in Gesamtheit freiwillig auf ein Himmelfahrtskommando begibt. Das ist bei einigen Figuren wie Deadshot glaubhaft, bei anderen wirkt es jedoch an den Haaren herbeigezogen.Die Auftritte von Batman und Flash sind kurz, aber hübsch anzusehen. Die Haupthandlung bleibt indes mager, erscheint erst als eine Art The Raid mit Superkräften, später dann als Ghostbusters-Verschnitt. Das ist nicht das, was die Trailer einst versprochen haben. Genau das ist die größte Sünde dieses Streifens: Dass er dem Unterhaltungswert zum Trotz nicht wirklich abliefern kann.
Verfasserangabe:
Regie und Drehb.: David Ayer. Musik: Steven Price. Kamera: Roman Vasyanov. Darst.: Will Smith ; Jared Leto ; Margot Robbie...
Jahr:
2016
Verlag:
o.O., Warner bros. pictures
Aufsätze:
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Systematik:
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DVD E
Altersfreigabe:
16
ISBN:
B-01-JA02YO-A
Beschreibung:
118 Min.
Fußnote:
Orig.: USA. - Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
Mediengruppe:
DVD Erw.